Erste Erwähnung 1332
Der Familienname wurde erstmals im Jahr 1332 urkundlich erwähnt: „… ute deme hove to roddinc …“, frei übersetzt „… vom Hof Roddinc …“. In der Urkunde beurkundet Diderik Vrydagh von Kamen, wahrscheinlich aus dem Adelsgeschlecht der Frydag, dass er dem Katharinenkloster in Dortmund eine Rente aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen zukommen lässt: Getreide, Flachs, Hühner und anderes.
Die Urkunde listet bis zu zwölf landwirtschaftliche Güter (Oberhöfe und Kotten) aus dem heutigen Dortmunder Norden auf, die diese Waren zu stellen hatten. Einige dieser Hofnamen existieren noch heute, etwa Schulte-Uebbing und Schulte-Kump, heute Kümper Hof.
Der Hof an der Landwehr
Dass der Hofname so lange überdauert hat, liegt sicher auch an seiner Lage an einer strategisch wichtigen Landmarke: der Grenze zwischen der Grafschaft Mark und der Grafschaft Dortmund, dem Einflussgebiet der Reichsstadt. Um 1200 war das Gebiet durch eine königliche Landschenkung an das Katharinenkloster auf den Umfang erweitert worden, der bis heute im Wallring der Stadt gut zu erkennen ist.
Für die äußeren Bereiche der Grafschaft Dortmund fehlten oft natürliche Grenzen. Deshalb wurden im 14. Jahrhundert sogenannte Landwehren angelegt: Überlandbefestigungen aus mit Hecken bepflanzten Wällen und Gräben. Durchgänge wurden mit Schlagbäumen kontrolliert. Das Teilstück zwischen dem Derner Baum (Dortmund-Kirchderne) und dem Bellwinckel Baum (nordwestlich von Dortmund-Wambel) wurde Anfang des 16. Jahrhunderts geschlossen.
In der Mitte dieser Landwehr, etwa dort, wo heute die Haltestelle Schulte-Rödding liegt, befand sich der Röddinger Baum mit der Dernischen Schanze. Unmittelbar östlich davon lag der Hof Schulte-Rödding. Noch heute erinnert der Straßenname Röddingsbaumweg an diese einst bedeutende Grenzmarke.
Die Stammreihe
In den folgenden zwei Jahrhunderten nennt die Stammtafel zwei weitere Hofbesitzer: 1366 Lubbert Schulte van Roddinc und 1440 Hermann Schulte van Roddynck. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts beginnt die bis heute nachvollziehbare Stammreihe mit dem Hofbesitzer Johann Schulte tho Roddinck (1564).
Sein Sohn oder Enkel Ludolf Schulte zu Rodinck (* 1589 in Dortmund; begraben 25.06.1667 in Dortmund) wird 1639 zusammen mit anderen Dortmunder Bürgern auf dem Ornamentband der „Großen Glocke“ der Dionysiuskirche in Kirchderne genannt. Die aufgeführten Namen sind wahrscheinlich die der damaligen Kirchenaufseher. Die Glocke musste kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs 1918 abgeliefert werden und ist seitdem verschwunden. Höchstwahrscheinlich wurde sie eingeschmolzen. Es hält sich aber das Gerücht, sie könnte heute in einer belgischen Kirche hängen.
Zwei Linien
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts starb der Hofbesitzer Henrich Schulte-Rödding (* um 1650; begraben 20.09.1680 in Dortmund) mit nur 30 Jahren, kurz nach der Geburt des Hoferben Johann Schulte-Rödding (getauft 03.10.1679 in Dortmund; † nach 1756). Durch mehrfache Wiederverheiratung kam der Hof vorübergehend in fremde Hände. Die Schultenwürde lag zwischenzeitlich bei zwei Männern, zunächst bei Johann Velthaus, dann bei Jürgen Frielinghaus, ohne dass diese eine „Schultentochter“ zur Frau hatten.
Etwa zur gleichen Zeit verzweigte sich die Familie in die Bauerschaft Groppenbruch (Dortmund-Mengede). Eine Karte von 1804 verzeichnet dort einen Hof mit dem Namen Schulte-Rödding. Über der Haustür eines späteren Gebäudes dieses Hofes (Baujahr 1862) ist der Name noch heute zu lesen. Man unterscheidet deshalb die jüngere Groppenbrucher Linie und die ältere Kirchderner Linie.
Einheirat Schulte-Rauxel
Seit Anfang des 18. Jahrhunderts kamen die Hoferben der Kirchderner Linie wieder aus der agnatischen Stammlinie. So blieb es bis zum 16.07.1833. An diesem Tag heiratete Henrine Schulte-Rödding (* 17.10.1802; † 02.07.1879 in Dortmund) Diedrich Heinrich Schulte-Rauxel (* 12.03.1797 in Castrop; † 19.04.1871 in Dortmund).
Der Hof Schulte-Rauxel liegt noch heute nordwestlich von Dortmund zwischen Dingen und Rauxel; seine Namensträger reichen zwölf Generationen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Diedrich Heinrich konnte das Hoferbe in Castrop-Rauxel nicht antreten, weil sein älterer Bruder Diedrich Wilhelm die Schultenwürde übernommen hatte. Mit der Ehe nahm er den Hofnamen Schulte-Rödding an.
Der einzige Sohn aus dieser Ehe, Diedrich Wilhelm Schulte-Rödding (* 07.06.1839 in Dortmund; † 12.02.1900 in Bochum), war der letzte selbst aktive Landwirt auf dem Hof. Sein Sohn, der Landgerichts- und Amtsrat Dr. jur. Wilhelm Schulte-Rödding (* 23.07.1876; † 14.11.1932 in Dortmund), verpachtete den Hof erstmals. Sein Jurastudium schloss er 1905 mit der Promotion ab. Danach wirkte er über zwei Jahrzehnte als Richter und Amtsrat am Landgericht Dortmund.
Straßenbahn, Krieg und Wandel
Um 1906 wurde die Dortmunder Straßenbahn von der Westfalenburg bis an die östliche Grenze von Niedereving verlängert. Die Endhaltestelle lag in unmittelbarer Nähe des Hofes am Beginn der Hofstraße (heute Feineisenstraße) und erhielt seinen Namen. Später wurde die Linie, heute die U42, bis nach Dortmund-Grevel verlängert. Zwischen dem Röddingsbaumweg und der Haltestelle liegt heute der P+R-Parkplatz Schulte-Rödding.
Im November 1944 zerstörten Fliegerbomben Hof und Wohnhaus der Familie. Der Hof wurde nach dem Krieg aufgegeben, die Reste der Hofgebäude abgerissen. Das ebenfalls schwer beschädigte Wohnhaus wurde wieder aufgebaut und steht noch heute. Damit endete die über 600 Jahre währende landwirtschaftliche Nutzung durch die Familie.
Ein Großteil der Flächen ging um 1956 in der Erweiterung des Stahlwerks Hoesch auf, wie zuvor schon bei den Nachbargütern Haus Dellwig und Hof Bellwinkel. Mit dem Niedergang der Dortmunder Stahlindustrie wurden große Teile des Werks nach China verkauft. Heute liegt auf der Fläche südlich der Derner Straße, hinter dem verbliebenen Landbesitz der Familie, ein großes Gewerbegebiet.
Bekannte Familienmitglieder
- Ludolf Schulte zu Rodinck1589 – 1667Hofbesitzer und Kirchenbeisitzer
- Dr. jur. Wilhelm Schulte-Rödding1876 – 1932Landgerichts- und Amtsrat, Gutsbesitzer
Quellen und Literatur
Urkunden
- Urkunde Diderik Vrydaghs von Kamen, 30.06.1332. Landesarchiv NRW, Münster, Abteilung Westfalen, E 003u / Prämonstratenserinnenkloster Dortmund / Urkunden Nr. 74. Im Archivportal NRW ansehen
Publikationen
- Schulte-Rödding, Wilhelm: Das Schicksal des Vermögens einer aufgelösten juristischen Person. Dissertation, Königliche Universität Greifswald, Juristische Fakultät, 1905.
Literatur
- Institut für vergleichende Städtegeschichte: Deutscher Historischer Städteatlas. Ardey-Verlag, Münster 2017, ISBN 978-3-87023-277-1, Tafel 8.2.1.
- Heick, Heinz Werner: Geschichte der Dionysius-Kirche in Kirchderne und die Entwicklung Dernes bis zur Neuzeit. Ev. Kirchengemeinde Derne, Dortmund, Eigenverlag 2005, S. 499.
- Winterfeld, Luise von: Geschichte der freien Reichs- und Hansestadt Dortmund. 1. Auflage, Fr. Wilh. Ruhfus, Dortmund 1934, Anhang mit Karten.
- Bellwinkel, Ernst: Die Familie Bellwinkel (1919 bis 1924). Bocholt 2021, ISBN 979-8-7071-6893-2.